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Ratgeber

Interne Verlinkung, Pillar Pages und Themen-Cluster

Von allen Stellschrauben im SEO ist die interne Verlinkung die einzige, die vollständig dir gehört. Keine fremde Webseite muss mitspielen, kein Budget muss freigegeben werden, niemand muss dich verlinken wollen. Du entscheidest heute, welche Seite auf welche zeigt.

Trotzdem ist sie die Maßnahme, die am häufigsten liegen bleibt. Meine Erfahrung aus Kundenprojekten: Bei einer Bestandsaufnahme finde ich fast immer Unterseiten, auf die von nirgendwo ein Link zeigt, und Fachbegriffe, die im Text zwanzig Mal auftauchen, obwohl es eine eigene Seite dazu gäbe.

Was interne Verlinkung wirklich bewirkt

Drei Dinge passieren gleichzeitig, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.

Erstens: Auffindbarkeit. Google folgt Links, um Seiten zu entdecken. In der eigenen Dokumentation ist Google dabei ungewöhnlich technisch: Ein Link ist nur dann crawlbar, wenn er ein <a>-Element mit href-Attribut ist. Ein per JavaScript aufgebauter Klick-Handler zählt nicht. Wer sein Menü mit <div onclick="…"> baut, hat aus Googles Sicht kein Menü.

Eine XML-Sitemap ersetzt das nicht. Sie meldet Adressen an, sagt aber nichts über deren Verhältnis zueinander. Eine Seite, die nur in der Sitemap steht und sonst nirgends verlinkt ist, wird zwar meist indexiert, gilt aber als unwichtig.

Zweitens: Bedeutungszuweisung. Über die Verlinkung sagst du Google, welche deiner Seiten Gewicht haben. John Mueller von Google hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Klicktiefe eine Rolle spielt: Je weniger Klicks eine Seite von der Startseite entfernt ist, desto wichtiger stuft Google sie tendenziell ein. Das ist eine Aussage aus einem Sprechstunden-Format, keine Dokumentation, deckt sich aber mit dem, was in der Praxis zu beobachten ist.

Die Faustregel aus der Branche lautet drei Klicks. Ich halte das für einen brauchbaren Richtwert und für keine harte Grenze. Entscheidend ist der Vergleich innerhalb deiner eigenen Webseite: Wenn deine Geldseite fünf Klicks tief liegt und ein Impressum zwei, stimmt etwas nicht.

Drittens: Besucherführung. Der Teil, der in SEO-Artikeln oft untergeht, obwohl er der einzige ist, an dem Geld hängt. Ein Leser, der deinen Ratgeber-Beitrag zu Ende liest, ist warm. Findet er dort keinen Weg zur passenden Leistung, geht er zurück zu Google.

Pillar Pages und Themen-Cluster erklärt

Das Modell ist schnell beschrieben. Eine Pillar Page ist die ausführliche Hauptseite zu einem Thema. Sie gibt den Überblick, streift alle Teilaspekte und verlinkt für die Tiefe auf einzelne Beiträge. Diese Cluster-Beiträge behandeln je einen Aspekt gründlich und verlinken zurück auf die Pillar Page. Alle zusammen bilden den Cluster.

Ein Beispiel von dieser Webseite. Meine WordPress-Wartung ist die Pillar Page zum Thema Wartung. Drumherum liegen Beiträge zu automatischen Updates, zum Wartungsmodus und zur Frage, warum Wartung überhaupt Pflicht ist. Jeder Beitrag verlinkt auf die Leistungsseite, die Leistungsseite listet die Beiträge.

Und jetzt die Einordnung, die in den meisten Artikeln zum Thema fehlt: Pillar Pages sind kein Rankingfaktor. Das Modell stammt aus dem Marketing und wurde 2017 von HubSpot populär gemacht. Google kennt keinen Pillar-Bonus, es gibt keine Auszeichnung im Quelltext, an der eine Pillar Page erkennbar wäre. Was das Modell leistet, ist etwas anderes: Es zwingt dich, deine Inhalte nach Themen zu ordnen statt nach Zufall, und es erzeugt dabei automatisch die Verlinkung, die Google tatsächlich auswertet.

Wer das Modell als Zauberformel verkauft, verkauft dir Struktur als Geheimwissen. Wer es als Arbeitsweise nutzt, bekommt eine aufgeräumte Webseite. Der Unterschied ist wichtig, weil er die Erwartung setzt: Ein Cluster wirkt nicht in zwei Wochen, sondern über Monate, und nur dann, wenn die Inhalte darin etwas taugen.

Der Ankertext entscheidet mit

Der verlinkte Text ist die Beschriftung, die Google und Besucher lesen, bevor sie klicken. Google formuliert in der eigenen Dokumentation, guter Ankertext sei „descriptive, reasonably concise, and relevant to the page”, also beschreibend, angemessen kurz und zur Zielseite passend. Ausdrücklich als zu allgemein genannt werden „click here” und „read more”.

Damit ist der häufigste Fehler benannt. Vergleiche selbst:

Mehr Informationen findest du hier.

Wie du Meta-Daten in WordPress hinzufügst, steht in einem eigenen Beitrag.

Die zweite Fassung sagt vor dem Klick, was danach kommt. Nebenbei wertet Google laut derselben Quelle auch die Wörter vor und nach dem Link aus, der ganze Satz trägt also mit. Es reicht nicht, ein Keyword blau einzufärben.

Die Gegenrichtung ist genauso wichtig. Wenn dreißig Seiten mit exakt derselben Wortfolge auf dieselbe Zielseite zeigen, sieht das gebaut aus statt gewachsen. Ich variiere deshalb bewusst: mal der Leistungsname, mal eine Umschreibung, mal ein Teilaspekt. Der Maßstab bleibt der Leser, nicht die Keyword-Liste.

Sechs Fehler, die mir immer wieder begegnen

Verwaiste Seiten. Kein einziger interner Link zeigt darauf. Entsteht typischerweise, wenn eine Landingpage für eine Kampagne gebaut und danach vergessen wird, oder wenn ein Menüpunkt verschwindet und die Seite dahinter bestehen bleibt.

Alles zeigt auf die Startseite. Die Startseite hat ohnehin die meisten Links. Jeder weitere bringt dort wenig. Interessant sind die Seiten, die Geld verdienen sollen.

Navigation mit Fließtext-Verlinkung verwechselt. Ein Link im Menü steht auf jeder Seite und ist deshalb ein schwaches Signal, weil er über die ganze Webseite gleich verteilt ist. Ein Link mitten im Text steht genau dort, weil er dorthin gehört. Beides ist nötig, aber das eine ersetzt das andere nicht.

Der Footer als Ersatz. Dieselbe Logik. Fünfzig Links im Fuß verteilen Gewicht auf fünfzig Ziele und markieren keines davon als besonders.

Automatische Verlinkungs-Plugins. Es gibt Erweiterungen, die jedes Vorkommen eines Begriffs verlinken. Nach kurzer Zeit steht in einem Absatz fünfmal derselbe Link, immer mit demselben Ankertext. Das liest sich schlecht und sieht maschinell aus. Ich setze Links von Hand oder gar nicht.

Links auf gesperrte Seiten. Verweise auf Seiten mit noindex, auf Weiterleitungsketten oder auf tote Adressen. Der Klassiker nach einem Relaunch, wenn sich Adressen ändern und die alten Links im Text stehen bleiben.

So gehst du bei deiner Webseite vor

Schritt eins: Themen bestimmen, nicht Seiten. Schreib auf, welche drei bis fünf Themen dein Geschäft ausmachen. Nicht welche Seiten du hast, sondern worum es geht. Bei mir sind das Webdesign, WordPress-Betreuung und Sichtbarkeit.

Schritt zwei: Je Thema eine Zielseite festlegen. Welche Seite soll ranken, wenn jemand das Thema sucht? Das ist deine Pillar Page. Meist ist es die Leistungsseite, nicht der Blogbeitrag, weil dort die Anfrage entsteht.

Schritt drei: Bestandsaufnahme. In der Google Search Console findest du unter „Links” die Liste der intern am häufigsten verlinkten Seiten. Steht deine wichtigste Seite dort weit unten, hast du dein Problem gefunden. Für den vollständigen Überblick crawlst du die Webseite mit einem Werkzeug wie Screaming Frog, das in der kostenlosen Fassung bis 500 Adressen reicht.

Schritt vier: Verwaiste Seiten aufspüren. Stell die Adressliste aus der Sitemap gegen die Liste der intern verlinkten Adressen. Was in der einen steht und in der anderen fehlt, ist verwaist.

Schritt fünf: Links im Fließtext setzen. Geh die Beiträge durch und such nach Stellen, an denen ein Leser ohnehin eine Frage bekommt. Genau dort gehört der Link hin, mit einem Ankertext, der die Zielseite beschreibt.

Schritt sechs: Nachmessen. Nach jedem Umbau prüfen, ob Links noch funktionieren und ob die neuen Seiten erreichbar sind.

Zu Schritt sechs mein eigenes Beispiel, weil es zeigt, wie leicht das sonst verrutscht. Für diese Webseite habe ich mir ein Prüfskript gebaut, das bei jedem Deploy mitläuft und unter anderem die kontextuellen Links im Fließtext je 1.000 Wörter zählt. Beim ersten Lauf kam heraus: Meine eigene Wartungsseite hatte auf 3.300 Wörter genau fünf Links im Fließtext, davon einen einzigen ins Glossar. Begriffe wie Theme, Plug-in, Uptime und Ladezeit standen unverlinkt im Text, obwohl es zu jedem einen Glossareintrag gibt. Das ist niemandem aufgefallen, mir eingeschlossen, bis eine Maschine es gezählt hat.

Als Richtwert nutze ich zwei bis drei Links im Fließtext je 1.000 Wörter. Bei einem Ratgeber-Beitrag dieser Länge sind das rund vier bis sechs. Das ist eine Faustregel aus der Praxis und keine Zahl von Google.

Nach unten ist die Grenze klar: null Links heißt Sackgasse. Nach oben regelt es der Lesefluss. Wenn in jedem zweiten Satz etwas blau ist, klickt niemand mehr, und jeder einzelne Verweis verliert an Gewicht.

Für die Navigation gelten andere Maßstäbe. Dort geht es um Vollständigkeit und Orientierung, nicht um Dosierung.

Was interne Verlinkung nicht kann

Sie ordnet, was da ist. Aus einer dünnen Seite mit dreihundert Wörtern macht kein interner Link eine gute Seite. Wenn deine Zielseite die Frage des Suchenden nicht beantwortet, ändert die beste Struktur daran nichts.

Sie ersetzt außerdem keine Signale von außen. Interne Links verteilen die Autorität, die deine Domain hat, sie erzeugen keine. Wo diese Autorität herkommt, habe ich im Beitrag zum Domain Trust auseinandergenommen. Beides zusammen ergibt ein Bild: Backlinks bringen Kraft auf die Domain, interne Links leiten sie an die richtige Stelle.

Und sie wirkt nicht sofort. Google muss die geänderten Seiten neu crawlen und die Verhältnisse neu bewerten. Bei einer kleinen Webseite dauert das Wochen, nicht Tage.

Mein Fazit zur internen Verlinkung

Interne Verlinkung ist unspektakuläre Arbeit mit einem ungewöhnlich guten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Sie kostet kein Budget, sie hängt von niemandem ab, und sie ist an einem Nachmittag in Angriff zu nehmen.

Der wichtigste Schritt ist nicht der erste Link, sondern die Bestandsaufnahme. Erst wenn du siehst, welche Seiten kaum Verweise abbekommen und welche verwaist herumliegen, weißt du, wo du ansetzt. Alles davor ist Raten.

Pillar Pages und Themen-Cluster sind dabei ein nützliches Ordnungsmodell und kein Algorithmus-Trick. Wer seine Inhalte nach Themen sortiert und konsequent verlinkt, hat das Modell umgesetzt, ganz gleich ob er es so nennt. Wenn du wissen willst, wie es um die Struktur deiner Webseite steht, schau ich sie mir an und sage dir, wo der größte Hebel liegt. Das kostet dich nichts außer einer kurzen Nachricht.

Häufige Fragen zur internen Verlinkung

Was ist der Unterschied zwischen interner Verlinkung und Backlinks?

Interne Links verweisen von einer Seite deiner Webseite auf eine andere, Backlinks kommen von fremden Webseiten. Der praktische Unterschied liegt in der Kontrolle: Interne Links setzt du selbst, heute, ohne dass jemand mitspielen muss. Backlinks musst du dir verdienen. Beide wirken unterschiedlich. Backlinks bringen Autorität von außen auf deine Domain, interne Links verteilen diese Autorität dann innerhalb der Webseite und zeigen Google, welche Seiten dir wichtig sind. Wer nur auf Backlinks schaut und die eigene Struktur ignoriert, kippt Wasser in einen Eimer mit Löchern.

Wie viele interne Links sollte eine Seite haben?

Als Richtwert im Fließtext haben sich zwei bis drei Links je 1.000 Wörter bewährt, also etwa vier bis sechs bei einem längeren Ratgeber-Beitrag. Das ist eine Faustregel, keine Vorgabe von Google. Wichtiger als die Zahl ist, dass jeder Link an einer Stelle steht, an der ein Leser wirklich weiterlesen möchte. Nach oben gibt es eine natürliche Grenze: Wenn in jedem zweiten Satz ein Link steht, klickt niemand mehr, und die einzelnen Verweise verlieren an Gewicht.

Was ist eine Pillar Page?

Eine Pillar Page ist die ausführliche Hauptseite zu einem Thema, die einen Überblick über alle Teilaspekte gibt und auf Detailbeiträge verlinkt. Diese Detailbeiträge verlinken wiederum zurück. Zusammen bilden sie einen Themen-Cluster. Wichtig zu wissen: Das Modell stammt aus dem Marketing, nicht von Google. Es gibt keinen Pillar-Page-Bonus im Algorithmus. Der Nutzen liegt darin, dass das Modell dich zwingt, deine Inhalte nach Themen zu ordnen und konsequent zu verlinken, und genau das versteht Google dann auch.

Schadet es, immer mit demselben Ankertext zu verlinken?

In Maßen nicht, im Übermaß schon. Wenn dreißig Seiten mit exakt derselben Wortfolge auf dieselbe Zielseite zeigen, wirkt das gebaut statt gewachsen. Sinnvoller ist es, den Linktext dem Satz anzupassen, in dem er steht. Mal steht dort der Leistungsname, mal eine Umschreibung, mal ein Teilaspekt. Google wertet ohnehin auch die Wörter vor und nach dem Link aus, der Kontext trägt also mit. Das eigentliche Ziel bleibt: Ein Leser soll am Linktext erkennen, was ihn nach dem Klick erwartet.

Wie finde ich verwaiste Seiten auf meiner Webseite?

Verwaist heißt, dass keine einzige andere Seite darauf verlinkt. Am schnellsten findest du solche Seiten, indem du die Liste aller Adressen aus deiner XML-Sitemap gegen die Liste aller intern verlinkten Adressen stellst. Was in der Sitemap steht, aber nirgends verlinkt ist, ist verwaist. Werkzeuge wie Screaming Frog machen das automatisch, die Google Search Console zeigt unter „Links" die intern am häufigsten verlinkten Seiten, was die Gegenprobe erleichtert. Bei kleineren Webseiten reicht auch ein kurzes Skript, das den Build durchgeht.

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